Auf der Bühne stehen zwei Stühle. Auf dem einen Stuhl sitzt der Mann, der andere ist leer. Die Frau kommt herein. Der Mann fragt, ob sie sich nicht setzen wolle. Und die Frau
antwortet: „Nein, nein. Es ist immer dasselbe. Ich setze mich, man setzt sich, und dann steht man nicht mehr auf.“ Ein spielerischer Schlagabtausch nimmt seinen Anfang und
entwickelt sich zu einem existenziellen Wortgefecht à la Beckett. SIE und ER kämpfen und widersprechen sich in ihrer Vorstellungen von der Welt, in ihren Wünschen und in ihrer
Sinnsuche. Dieses Sprechen – für sich, füreinander und gegeneinander ¬– ist ihr eigentliches Dasein und macht ihre Beziehung und ihre Verortung in der Welt in ihrer ganzen
Komplexität sichtbar: Das Leben findet in der Sprache statt.
Lagarces Zweipersonenstück ist als Vorspiel zu Becketts „Endspiel“ denkbar. Dort kann Hamm nur noch sitzen und Clov nur noch stehen. „La place de l’ autre“ zeigt den
Verteilungskampf um diese Positionen, um Sitz- und Stehplatz und ist eine Geschichte über das Hängenbleiben, Sitzenlassen und Sitzengelassen werden.