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A la scène

Music-hall

mise en scène Vincent Kraupner (2007)

 
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Umsetzung

Music-hall enthält ebenso wie Wir, die Helden oder den Roman Die Reise nach Den Haag autobiographische Komponenten. Zwischen den Zeilen werden Gefühle und Gedanken der Figuren – in ihrer Rolle als Schauspieler – sichtbar: ihr Leben zwischen Hotels und Kleinbühnen. Trotz aller Rückschläge oder gar Erniedrigungen schimmert zwischen Einsamkeit und verlorenem Enthusiasmus noch immer die Faszination für ihren Beruf durch.

Auffällig und für die Inszenierung interessant ist die ungeheure Verletzlichkeit der Figuren von Lagarce, ihre offenen Wunden, kaum unter der Oberfläche verborgen, die Doppelbödigkeit des Textes, der harmlos daherkommt, zum Teil als heitere Geschichte, zum Teil sachlich-nüchtern. Die Träume der Schauspieler nach Berühmtheit und Erfolg auf großen Bühnen sind stets präsent – ebenso wie die Sehnsucht, aus ihrer tristen Realität auszubrechen.
Die Momentaufnahmen der Befindlichkeit der Figuren sind typisch für Wechselhaftigkeit der (Musik-) Theaterwelt. Sie wird vom Autor auch formal unterstützt, etwa durch lange Parenthesen und unvermittelte Gedankensprünge. Was Lagarce hier ausdrückt, ist das Leben nach den Träumen und Hoffnungen, vielleicht sogar jenseits des Lebens selbst.
Das Theater kann von Geistern bevölkert sein, von Untoten, die aus dem Nichts heraus auftauchen, um uns anzuhalten.

Eines der Hauptthemen bildet die Sehnsucht nach Berühmtheit oder, einfach nur nach Anerkennung. Woher rührt die Faszination des Publikums für Scheitern oder Verletzlichkeit?
An Music-hall werden die für das Théâtre de la parole typischen Charakteristika deutlich: die dramatische Form ist aufgehoben, das Stück ist unbestimmt in Bezug auf Ort, Zeit und Sprechsituation, im Stile einer Revue sind lediglich die Szenen nummeriert. Der Titel führt in die Irre. Der Zuschauer erwartet für lange Zeit, dass irgendwann die „normale“ Handlung beginnt. Durch diese Erwartungshaltung kann lange die Illusion aufrecht erhalten werden, dass es ganz normale Schauspieler sind, die hier ihre Geschichte erzählen. Tatsächlich sind es eher Phantome, die Geister der Schauspieler, die scheinbar lustlos agieren, ihr Gesang und ihre Tanzfiguren wirken seltsam abgenutzt.

Vincent Kraupner

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